Exhibition

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Pernambuco Beach

Photobastei Zürich
10.7.2014 – 3.8.2014

Vernissage: Thursday 10.7.2014, 18h
Introduction: Marco Meier (publicist and philosopher)
Music: Veet J. Ohnemus (guitar)

Bärengasse 29, 8001 Zürich | 5th floor | Tuesday to Sunday: 12 to 21h | map

Guaruja (São Paulo) November 2013. Weather forecast: not very promising. Saturday morning: blue sky, 28°C. Tout-le-monde went out to Pernambuco Beach and was in high spirits.
– A series of photographs taken with a Leica Monochrom.

+ Exposé

Im Zentrum Wulf Rösslers wissenschaftlicher, klinischer und künstlerischer Tätigkeit steht immer  die Analyse des „Menschsein“. Sein wissenschaftliches und klinisches Spezialgebiet ist die „Soziale Psychiatrie“, die sich mit den sozialen Determinanten psychischer Erkrankungen auseinandersetzt. Dementsprechend hat er häufig mit gesellschaftlichen Randgruppen zu tun, Migranten, Arbeitslosen, Prostituierten – immer in Verbindung mit psychischen Erkrankungen.

Er fotografiert seit seiner frühen Jugend. Entsprechend seiner psychologisch-psychiatrischen Interessen schaut er durch den Sucher der Kamera häufig „daneben“. Entweder fallen die Menschen aus dem Rahmen des Bildes oder es geraten einzelne Körperteile ins Bild oder es werden intime Alltagssituationen festgehalten, denen oft etwas Unwirklich-Magisches anhaftet.

Die Ausstellung „Pernambuco Beach“ ist im Rahmen seiner jetzigen Tätigkeit in Sao Paulo entstanden. „Pernambuco Beach“ liegt in der 80km von Sao Paulo entfernten Badestadt Guaruja. November 2013, der Sommer hatte sich verspätet. Wulf Rössler war mit seinem Freund in dessen Strandhaus in Guaruja. Die Aussichten auf einen warmen Sommertag waren nicht günstig. Doch um die Mittagszeit tat sich der Himmel auf und die Sonne strahlte. „Tout le monde“ eilte zum Strand um den endlich warmen Sommertag zu geniessen. Es enstand eine fast euphorische Stimmung.

Wulf Rössler fotografierte den ganzen Tag. Anfänglich posierten die fotografischen „Objekte“, aber nach einer Weile wurde er nicht mehr bemerkt. Das Brasilianische Strandleben entfaltet seine ganz eigene Dynamik. Es ist eine, für Europäische Augen, ungewohnt und gleichzeitig faszinierende Art natürlicher Körperlichkeit ganz altersunabhängig. Wohlgemerkt in einer Gesellschaft, in der die Schönheitschirurgie fester Bestandteil des mittelständischen Lebensgefühls ist.

Wulf Rössler hat mit einer Leica Monchrom fotografiert immer mit der gleichen  Brennweite (35 mm). Die s/w Fotografien entkleiden die Bilder ihrer Exotik. Dickbäuchige Männer, muskelbepackte Männer, junge Schönheiten und ältere Damen vereint. In der Ferne Samba, in der Hand eine Caipirinha. Dazwischen einige dunkelhäutige Verkäufer von Raubkopien, wie die klassenlose Gesellschaft sich entlang der Hautfarbe manifestiert.

Strandleben in Brasilien ist ein wichtiger Teil des Alltags. Dort wo sich Mitteleuropäer über die Wetteraussichten der nächsten Tage austauschen, tauschen sich Brasilianer  über neue Strände aus. Der Umgang am Strand ist höflich und unbemerkt reglementiert. Höchstens, dass ein Blick verstohlen über einen Körper streicht. Die Nacktheit fordert ihren Preis. Brasilien lernt man am Strand kennen.